Monday
Nov012010

Zwischen Raubbau und Anbau

Von Daniela Biermann / Kapland-Pelargonie, Uzarawurzel, Teufelskralle: Heilpflanzen aus Südafrika sind auch in Deutschland sehr beliebt. Die weltweite Nachfrage wächst schneller als so manche Pflanze. Was tun, damit der Nachschub nicht ausbleibt – bei fairen Bedingungen für Mensch und Umwelt?

Südafrika ist eines der artenreichsten Länder der Welt, ein sogenannter Biodiversitäts-Hotspot. Jede zehnte Pflanzenart wächst im südlichen Teil des Kontinents, etwa 3000 Arten gehören zum Fundus der traditionellen afrikanischen Medizin. Bislang wird nur ein Bruchteil, nämlich 38 Arten, in größerem Ausmaß kommerziell genutzt. Ohne Frage steckt in der afrikanischen Flora ein großes Potenzial für die Pharmaforschung. Der Erhalt der Artenvielfalt ist daher nicht nur für Umweltschützer interessant. In Entwicklungsländern und auch in Südafrika, das offiziell als Indus­triestaat gezählt wird, ist ein Teil der Bevölkerung von ihren Heilpflanzen abhängig, und das nicht nur für den medizinischen Eigenbedarf. Einige Pflanzen haben sich zu richtigen Exportschlagern gemausert.

Um für genügend Nachschub in gleichbleibender Qualität zu sorgen, versuchen Hersteller und Bauern, die Pflanzen in Kultur zu nehmen. Das ist oft nicht einfach und hat neben Vorteilen auch einige Nachteile. Die andere, manchmal einzige Möglichkeit, an den Rohstoff zu gelangen, sind Sammlungen von Wildpflanzen. Auch hier gibt es Argumente dafür und dagegen.

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=34157

Wednesday
Sep082010

Release in english

Weinfelden, Schweiz, 8. September 2010—Die FairWild Stiftung stellt heute den überarbeiteten Standard für die nachhaltige Nutzung und den Handel natürlicher Zutaten für Nahrung, Kosmetika und Arzneimittel aus Wildsammlung vor.

Weltweit werden jährlich mehr als 400.000 Tonnen Heil- und Aromapflanzen, größtenteils aus Wildsammlung, gehandelt. Von 50-70.000 weltweit genutzten Heilpflanzenarten sind in etwa 15.000 durch Übernutzung und Lebensraumverlust bedroht.

"Durch die Anwendung des überarbeiteten FairWild Standards wird gewährleistet, dass Heilpflanzen nachhaltig bewirtschaftet und geerntet werden, und dass diejenigen, die in die Sammlung und den Handel eingebunden sind, einen fairen Lohn für ihr Wissen und ihren Einsatz bekommen", so Bert-Jan Ottens, verantwortliches Vorstandsmitglied der FairWild Stiftung für Kommunikation und Marketing.

Der neuste Standard wurde nach umfangreicher Beratung mit Pflanzenexperten und Vertretern der weltweit tätigen Industrie zu Handel und Verarbeitung von pflanzlichen Produkten entwickelt.

"Als führender Hersteller von pflanzlichen Produkten für den Weltmarkt sehen wir enorme Vorteile darin Teil eines Programmes zu sein, dass die nachhaltige Verfügbarkeit unserer Hauptrohstoffe gewährleistet" sagt Josef Brinckmann von Traditional Medicinals. Die Firma vertreibt derzeit Produkte wie Just for Kids Organic Nighty Night® Herbal Tea und Organic Throat Coat® Herbal Tea, die FairWild zertifizierte Zutaten beinhalten.

Laut Heiko Schindler vom Institut für Marktökologie (IMO), einer unabhängig zertifizierenden Kontrollstelle für den FairWild Standard, nahm die Heilpflanzenindustrie die Zertifizierungsprinzipien des FairWild Programms begeistert auf. "In diesem Jahr sind 23 Wildpflanzen sammelnde Firmen aus 13 verschiedenen Ländern dabei, sich FairWild zertifizieren zu lassen", kommentiert er.

Der FairWild Standard ist nicht nur für Firmen nützlich, die an der Zertifizierung ihrer Produkte als nachhaltig gesammelt und gehandelt interessiert sind. Frühere Versionen des Standards dienen bereits heute den Behörden in einigen Ländern als Grundlage für Managementpläne für natürliche Ressourcen und tragen damit unter anderem zur Erfüllung nationaler Verpflichtungen zum Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) bei.

Professorin Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), einem der wichtigsten Unterstützer der Entwicklung des FairWild Standards, kommentiert: "Im Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt müssen Regierungen, Firmen und Konsumenten gleichermaßen erkennen, dass die Übernutzung wildlebender Pflanzen Gesundheit, Wirtschaft und Biodiversität in großem Maßstab gefährden und die Lebensgrundlage der Sammler, die oft zu den ärmsten sozialen Schichten der Herkunftsländer gehören, untergraben kann."

Der FairWild Standard Version 2.0 vereinigt alle grundlegenden Elemente zweier Vorläufer: des ursprünglichen FairWild Standards, der sich auf fairen Handel konzentrierte, und des International Standard for Sustainable Wild Collection of Medicinal and Aromatic Plants (ISSC-MAP) der den Schwerpunkt auf ökologische Nachhaltigkeit legte. Darüber hinaus berücksichtigt der überarbeitete FairWild Standard die praktischen Erfahrungen aus der Standardanwendung der letzten Jahre.

ENDE
Für weitere Informationen zur Anwendung des FairWild Standards oder zum Kauf von FairWild zertifizierten Produkten, siehe www.FairWild.org, oder kontaktieren Sie die FairWild Stiftung unter: info@FairWild.org.

Hinweis:
Der FairWild Standard bietet Leitlinien für die beste Praxis zu Wildsammlung und Handel von Pflanzen und ähnlichen Organismen (z.B. Flechten und Pilze) zu elf Schlüsselbereichen:
1.    Erhaltung von Wildpflanzen-Ressourcen
2.    Vorbeugung negativer Umwelteinflüsse
3.    Einhaltung von Gesetzen, Verordnungen und Abkommen
4.    Respektieren von Gewohnheitsrechten und von Grundsätzen des Vorteilsausgleichs
5.    Förderung fairer Vertragsbeziehungen zwischen Käufern und Sammlern
6.    Begrenzung der Beteiligung von Kindern bei der Wildsammlung
7.    Wahrung der Leistungen und Vorteile für Sammler und ihrer Gemeinschaften
8.    Wahrung fairer Arbeitsbedingungen für alle Arbeitskräfte eines FairWild Sammelvorhabens
9.    Anwendung einer verantwortungsvollen Managementpraxis
10.    Anwendung verantwortungsvoller Geschäftspraktiken
11.    Förderung von Verpflichtungen auf der FairWild Käuferseite